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Mit klarem Kopf durch die Prüfung

15. Juni 2026 durch
Mit klarem Kopf durch die Prüfung

In einem gemeinsamen Webinar mit dem Arzt und Emotionsforscher Dr. med. Franz Sperlich, der Medizin, Kognitionswissenschaft und angewandte Emotionsforschung verbindet, haben wir eine Frage behandelt, die fast jeden einmal erwischt: Wie behalten wir einen klaren Kopf, wenn unter Druck Wissen abgerufen werden muss? Dass die Technik uns ausgerechnet zu Beginn ein Bein stellte, war ein passender Auftakt. Denn die schönste Methode nützt nichts, wenn der Körper nicht mitspielt, und das gilt für das Lernen genauso wie für das Hirn dahinter.

Lernen ist ein organischer Umbau

Wir sind organische Wesen, und Lernen ist ein körperlicher Veränderungsprozess. Auf der Ebene der Nervenzellen lässt er sich auf eine einfache Regel bringen: Zellen, die gemeinsam feuern, verbinden sich, und je häufiger eine Verbindung genutzt wird, desto stärker wird sie. Die Kehrseite ist ebenso wahr. Was selten feuert, baut ab, „use it or lose it”. Das ist schlicht Ökonomie. Warum sollte das Gehirn Strukturen aufrechterhalten, die es nirgends braucht? Was nicht durch Erfahrung bestätigt wird, geht wieder verloren. Daraus folgt der erste praktische Schluss: Wissen muss in möglichst vielen Kontexten angewendet und wiederholt werden, sonst zerfällt es.

Warum Wissen im KI-Zeitalter wichtiger wird, nicht unwichtiger

Ein verbreitetes Missverständnis lautet, dank der KI sei Wissen nichts mehr wert, man könne ja alles nachschlagen. Das Gegenteil trifft zu. Eine KI lässt sich nur gut bedienen, wenn man genau weiß, was man will und was nicht, und ein treffender Prompt setzt ein breites eigenes Wissensnetz voraus. Genau so arbeitet auch unser Gehirn: Neues knüpft an Vorhandenes an, und je dichter mein Wissensnetz, desto besser gelingt diese Anknüpfung. Es ist kein Zufall, dass die KI mit ihren neuronalen Netzen so erfolgreich ist, sie ahmt die Funktionsweise des Gehirns nach. Wer also vorsorgt und Wissen aufbaut, vergrößert sein Gedächtnis und mit ihm die Anschlussfähigkeit für alles Kommende.

Wiederholung, mit klugen Werkzeugen

Was die Lehrerinnen und Lehrer der alten Schule längst beherrschten, war das Prinzip der Wiederholung: Repetitio est mater studiorum, die Wiederholung ist die Mutter des Lernens. Hermann Ebbinghaus hat schon im neunzehnten Jahrhundert gezeigt, wie schnell frisch Gelerntes wieder zerfällt, wenn man es sich nicht in wachsenden Abständen erneut vorlegt. Heute lässt sich genau das mit KI-gestützten Werkzeugen spielerisch gestalten, die uns den Stoff in steigenden Schwierigkeitsgraden immer wieder vorlegen. Auf die Intensität kommt es dabei an, und eine Form von Intensität ist, mit möglichst vielen Sinnen zu lernen. Wenn meine Teilnehmenden etwas so Sprödes wie Neuroanatomie lernen müssen, nehmen wir ein maßstabsgerechtes Gehirn in der VR-Brille auseinander. Was man einmal räumlich begriffen hat, sitzt fester als jede zweidimensionale Buchseite.

Konzentration in Blöcken statt im Dauerlauf

Aufmerksamkeit ist keine Ressource, die man stundenlang gleichmäßig abrufen kann. Die Pomodoro-Technik trägt dem Rechnung: konzentrierte Arbeitsblöcke, gefolgt von echten Pausen. Echt heißt, dass man in der Pause nicht heimlich die E-Mails öffnet, sondern dem Kopf tatsächlich Erholung gönnt und sich am besten kurz bewegt. Damit sind wir bei den körperlichen Grundlagen, die man beim Lernen am leichtesten übersieht und am teuersten bezahlt.

Schlaf und Bewegung sind keine Nebensache

Das Gedächtnis wird nachts gebaut. Im Schlaf, besonders in seinen Traumphasen, ordnet und festigt das Gehirn, was tagsüber angelegt wurde, weshalb durchwachte Nächte vor einer Prüfung die schlechteste aller Vorbereitungen sind. Und Bewegung ist kein Gegenteil des Lernens, sondern seine Voraussetzung. Stundenlanges Sitzen ist Gift, ein bewegter Körper dagegen verbessert nachweislich die geistige Leistungsfähigkeit und gehört zum Wirksamsten, was wir gegen den Abbau im Alter tun können. Wer lernt, sollte deshalb zwischendurch in Bewegung kommen, statt am Schreibtisch festzuwachsen.

Wenn der Stress den Abruf blockiert

Am Ende entscheidet oft nicht das Wissen, sondern die Psychologie. Prüfungsstress trifft die Studierenden Anfang zwanzig genauso wie die erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, die mit fünfzig oder sechzig zum Abschluss ihrer Scientific-Trainer-Ausbildung noch einmal in eine Prüfung gehen. Sofort melden sich die alten Muster: Mache ich das gut genug, wird das klappen? Diese Anspannung kann den Abruf blockieren, der unter ruhigen Bedingungen mühelos gelänge. Die gute Nachricht ist, dass man sich auf das eigene Gehirn verlassen kann, solange man es nicht blockiert. Wer die psychologischen Prinzipien dahinter kennt, kann sich selbst und anderen helfen, diese Ruhe herzustellen. Das vollständige Webinar mit allen praktischen Tipps finden Sie im Video oben.

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